Die Gesundheitsbranche ist vom demografischen Wandel besonders betroffen. Schon jetzt ist ein Großteil des Personals in stationären Pflegeeinrichtungen älter als 50 Jahre. Statistiken zeigen auch, dass jenseits der 60 Jahre kaum noch Examinierte in ihrem Beruf tätig sind. Viele Altenpflegekräfte sowie Gesundheits- und Krankenpfleger*innen beenden ihre Berufskarriere vorzeitig, weil sie mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden sind.

Die Überalterung betrifft alle Pflegeberufe: die Gesundheits- und Krankenpflege, die Altenpflege sowie die Kinderkrankenpflege. Qualifizierte Nachwuchskräfte zu finden, ist überall schwierig, aber in der Pflege ist dieser Mangel dramatisch. Doch nicht nur aus humanen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen müssen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser heute alles daransetzen, die Arbeitskraft ihres Pflegepersonals langfristig zu erhalten. Gezielte Gesundheitsförderung und individuelle Maßnahmen, nur so bleibt eine Anstellung in der Pflege für die qualifizierten Fachkräfte attraktiv.

Es muss ein grundlegendes Umdenken gegenüber dem Altern stattfinden. Noch immer lautet die weit verbreitete Meinung, ältere Mitarbeitende seien weniger leistungsfähig, weniger flexibel, verursachten hohe Personalkosten und seien häufiger und länger krank. Bei genauem Hinsehen stellt sich die Situation jedoch viel positiver dar. Ältere Pflegekräfte verfügen nämlich über Fähigkeiten, mit denen Jüngere noch nicht dienen können: Einen hohen Ausbildungsstand, einen reichen Erfahrungsschatz und eine engere Bindung an das Unternehmen, um nur drei Beispiele zu nennen. Ihre Erfahrung ist kaum zu ersetzen und sie können komplexe Probleme häufig schneller lösen als jüngere Mitarbeiter. Nicht selten haben sie auch ein größeres Einfühlungsvermögen ihren Bewohner*innen und Patient*innen gegenüber.

Ein sensibler Umgang mit älteren Pflegenden ist also eine wichtige Voraussetzung, sie zu halten. Denn wenn sie sich über einen längeren Zeitraum an der Grenze ihrer Belastbarkeit bewegen, werden sie immer unzufriedener und es ist nicht mehr weit von der inneren bis zur tatsächlichen Kündigung. Aus diesem Grund müssen Strategien für ältere Mitarbeiter entwickelt werden. Betriebliches Gesundheitsmanagement, altersgerechte Arbeitszeitmodelle, altersgemischte Teams. Vor allem aber hilft es, Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der älteren Mitarbeiter zu haben. Denn bestehende Fähigkeiten verändern sich zwar in ihrer Ausprägung, gehen aber nicht verloren

Ein Kulturwandel ist notwendig, alt werden in der Arbeitswelt darf nicht mehr stigmatisiert werden. Dies beginnt schon bei den Personaleinstellungen, bei denen Bewerber über 50 kaum noch eine Chance haben, geht über die Übertragung von anspruchsvollen Aufgaben, bis hin zur Teilnahmemöglichkeit an Fort- und Weiterbildungen. Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser müssen unabhängig vom Alter ihrer Mitarbeiter*innen in die Gesundheit und die Motivation investieren. Dem Alter angepasste Arbeitsplätze sind auch in der Pflege möglich. Wir können es uns nicht länger erlauben, Pflegefachpersonen mit hoher Expertise und langjähriger Erfahrung wegen unzulänglicher Gestaltung von Arbeitsplätzen vorzeitig zu verlieren. Das Ziel eines zufriedenen und loyalen Teams und damit auch zufriedenen Bewohner*innen sollte die Anstrengung auf jeden Fall wert sein!