In Deutschland gibt es ca. zweieinhalb Millionen Alleinerziehende, davon sind 84% Frauen. Auch der Pflegesektor ist noch immer eine klassische Frauendomäne. Damit ist klar, dass hauptsächlich weibliche Pflegekräfte vom Spagat zwischen Beruf und Kinderbetreuung betroffen sind. Den alleinerziehenden Väter in Pflegeberufen geht es aber natürlich nicht besser.

Die größte Herausforderung, Pflegeberuf, Kinderbetreuung und Haushalt miteinander zu vereinbaren, liegt in den Arbeitsmodellen in der Pflege, denn diese sind nicht auf die Bedürfnisse von alleinerziehenden Elternteilen abgestimmt. Um für Perspektiven für die qualifizierten Pflegenden zu sorgen, müssen von Seiten der Arbeitgeber individuelle Lösungs- und Arbeitszeitmodelle geschaffen werden. Gerade Schichtdienste treiben viele Alleinerziehende aus der Pflege. Das muss sich dringend ändern!

Selbstverständlich gibt es auch Alleinerziehende, die Pflege und Familie gut unter einen Hut bekommen. Dies sind in der Regel meistens Fachkräfte mit einem stabilen sozialen Umfeld. Sie lieben ihre Arbeit, sind motiviert und wollen auf keinen Fall vom Amt abhängig sein, sondern ihr Leben aus eigener Kraft meistern und ihren Kindern etwas bieten. Ihre Kinder sind meist schon schulpflichtig, oft gibt es ältere Geschwister, die sich, zumindest zeitweise, um die Jüngeren kümmern können. Diese Alleinerziehenden sind bestens organisiert und verfügen über ein gutes familiäres Netzwerk, bestehend aus Eltern, Großeltern oder anderen Verwandten. Oft haben sie eine/n Lebenspartner*in, die/der auch für die Kinderbetreuung bereitsteht.

Die zweite Gruppe Alleinerziehender, bei deinen es mit der beruflichen und familiären Organisation oft nicht so gut klappt, sind häufig Pflegehilfskräfte mit einem nicht ganz einfachen sozialen Hintergrund. Häufig machen sie den Pflegejob, weil sie keine anderen Perspektiven für sich sehen oder weil das Amt sie in den Pflegesektor gedrängt hat. Häufig sind die Kinder sind noch klein und ihr familiäres Netzwerk ist nicht so stabil oder gar nicht vorhanden. Nicht selten sind sie wirklich komplett auf sich allein gestellt.

Das Kernproblem auf Seiten der Arbeitgeber sind die häufig schon um sechs Uhr startenden Frühdienste. Spätere Frühdienste, die es den Alleinerziehenden ermöglichen, vorher die Kinder in die Betreuung zu bringen, sind schwierig zu organisieren. Bei Pflegenden dieser Gruppe endet die Zusammenarbeit deshalb oft bereits nach vier bis fünf Monaten, weil sie den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Schichtdienst einfach nicht schaffen

Aber was kann man tun, wenn Oma und Opa nicht in der Nähe leben? Wenn es kein stabiles Netzwerk aus Unterstützern gibt? Es gibt bereits interessante Projekte für eine sogenannte „ergänzende Kinderbetreuung“. Alleinerziehende Elternteile, die laut Sozialgesetzbuch einen entsprechenden Anspruch nachweisen können, erhalten häusliche Unterstützung. Ehrenamtliche Mitarbeiter, die von sozialpädagogischen Fachkräften kontinuierlich geschult werden, kommen in die eigenen vier Wände und schließen die Betreuungslücken, wenn Kitas oder Schulen geschlossen sind.

Vor allem aber sind die Arbeitgeber gefragt. Eine betriebsinterne Kinderbetreuung funktioniert für Arbeitgeber meist erst ab zehn Kindern. Kleinere Einrichtungen könnten aber zum Beispiel mit anderen Einrichtungen und nahe gelegenen Kitas kooperieren. Durch die Zusammenarbeit mit einem Netzwerk aus Betreuern kann ein Arbeitgeber eine Randzeitbetreuung organisieren. Diese Betreuung würde dann auch greifen, wenn Mitarbeitenden Spätdienst haben oder wegen eines Notfalls einspringen müssen. Problematisch sind auch Urlaubszeiten. Zwar ist Urlaub planbar, aber der durchschnittliche Urlaubsanspruch reicht bei Weitem nicht aus, um die Schulferienzeiten zu überbrücken. Auch hier kann der Arbeitgeber helfen: Es gibt bereits Einrichtungen, die in Kooperation mit Veranstaltern eine Ferienbetreuung anbieten.

Fazit: Alleinerziehenden Elternteilen wird auf dem Arbeitsmarkt noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der Pflegebranche muss endlich bewusst werden, dass Kompetenz und Qualität nicht verloren gehen, nur weil man Kinder hat. Alleinerziehende müssen endlich vollständig akzeptiert und gefördert werden. Denn auf die wichtige – und nicht gerade kleine – Gruppe Alleinerziehender kann in der Pflege angesichts des eklatanten Fachkräftemangels absolut nicht mehr verzichtet werden.