Viele Nachtwachen finden morgens nicht in den Schlaf. Das wichtigste Rezept lautet: Entspannen und nichts erzwingen.

Konzentriertes Arbeiten in der Nacht bedeutet für den Körper Schwerstarbeit, denn nachts schaltet er normalerweise in den Ruhemodus. Puls und Blutdruck sinken, die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Nachtdienste bedeuten, gegen den Biorhythmus  zu arbeiten. Es kann zu Kopfschmerzen, Schlafstörungen, sogar Depressionen kommen, aber auch zu Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen führen. Gerade in der Gesundheitsbranche, in der Personalknappheit, Zeitdruck sowie hohe Anforderungen an Körper und Psyche an der Tagesordnung sind, arbeiten Pflegekräfte häufiger an der Grenze ihrer Belastbarkeit als Beschäftigte in anderen Berufen. Auf Dauer kann das zu Lasten der Gesundheit gehen.

Und das ist noch nicht alles: Oft sind Nachtwachen auf der Station bei allen Entscheidungen auf sich allein gestellt. Die daraus resultierende Angst vor Fehlern wird dabei oft als besonders belastend erlebt und verleitet zum Grübeln – auch in der Freizeit. Denn zu Hause hören diese Belastungen nicht einfach auf. Viele Pflegemitarbeitende geben an, nach Nachtdiensten tagsüber keine oder nur sehr kurze Ruhepause zur Verfügung zu haben, weil für sie unmittelbar nach dem Dienst die „private Schicht“ beginnt: Kinder und Haushalt, oft auch noch auch die Pflege von Familienmitgliedern.

Wichtig ist, sich nach der Nachtschicht bald hinzulegen und auszuschlafen, aber wer unter (Durch-)Schlafproblemen leidet, sollte sich nicht unnötig im Bett wälzen, sondern lieber aufstehen und erst wieder hinlegen, wenn eine wirkliche Müdigkeit zurückkehrt. Krampfhafte Bemühungen, einzuschlafen verhindert den Aufbau natürlicher Einschlafgewohnheiten.

Während einer Nachtdienst-Phase ist für Pflegekräfte ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und ausgewogener Ernährung besonders wichtig. Da Besuche von Sportkursen aber gerade in dieser Phase schwierig sind, sollte man versuchen, die Bewegung in den Alltag zu integrieren. Mit dem Rad zum Dienst fahren oder zu Fuß gehen. Die Treppe statt des Fahrstuhls benutzen, früher aus dem Bus aussteigen und den restlichen Weg laufen – egal, was man macht, Bewegung hilft dabei, den Kopf frei zu kriegen und sich im Nachtdienst robuster zu fühlen. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung steigert das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit zusätzlich. Man sollte möglichst in der ersten Hälfte der Schicht essen und dann leicht bekömmliche Mahlzeiten zu sich nehmen. Schweres und Fettiges gehören nicht in den Nachtdienst und mehrere kleine Mahlzeiten sind besser als eine große Portion, die schwer im Magen liegt. So beugt man Störungen des Verdauungstrakts vor und verhindert ein zu starkes Abfallen des Blutzuckerspiegels.

Wenn man müde ist, friert man leichter. Dagegen hilft eine warme Mahlzeit. Mageres Fleisch oder Fisch, Kartoffeln oder Reis und Gemüse oder Salat ohne zu schwere Saucen. Als Zwischenmahlzeit eignen sich Quark, Joghurt, Obst oder Kompott. In den frühen Morgenstunden sollte man Kaffee und schwarzen Tee meiden, weil dadurch das Einschlafen nach Schichtende erschwert werden kann. Besser sind warme oder kalte Getränke ohne Koffein wie Früchte- oder Kräutertee, Saftschorle und natürlich Leitungs- oder Mineralwasser.

Zuhause können dann kleine Rituale dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. Ein paar Seiten eines Buches lesen, beruhigende Musik hören, ein warmes Bad vor dem Schlafengehen, eine heiße Milch mit Honig – alles, was zur Entspannung beiträgt, hilft. Die Atmosphäre im Schlafzimmer sollte angenehm sein, der Raum an sich vor Lärm und Helligkeit geschützt und gut gelüftet.

Pflanzliche Mittel aus Baldrian, Hopfen, Lavendel oder Melisse haben sich bei Unruhezuständen oder nervös bedingten Einschlafstörungen bewährt. Allerdings dauert es ein paar Tage, bis ihre schlaffördernde Wirkung eintritt. Auch Entspannungsübungen, etwa autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation helfen, um zur inneren Balance zu kommen. Und die wiederum wirkt sich positiv auf das Schlafverhalten aus.

Wenn wirklich nichts mehr geht, sollte man mit den Nachtdiensten aufhören. Oft sind es ältere Pflegekräfte, die Nachschichten als besonders belastend empfinden.  Wenn man spürt, dass die Kräfte nachlassen, sollte man dies bei der Stations- oder Pflegedienstleitung offen ansprechen, um gemeinsam eine passende Lösung zu finden. Viele Pflegedienstleitungen und Pflegedirektor*innen sind inzwischen offen für flexible Lösungen, weil sie ihre erfahrenen Mitarbeiter in Zeiten des Fachkräftemangels halten wollen.

 

flexotipps 

  • Vermeiden Sie, sich vor dem Schlafengehen körperlich anzustrengen. Das kurbelt zu stark den Kreislauf an.
  • Trinken Sie vor dem Einschlafen eine heiße Milch mit Honig oder einen Kräutertee mit Melisse und Baldrian. Auch ein warmes Bad beruhigt die Nerven.
  • Finden Sie Ruhe mit autogenem Training, Meditation, Yoga oder progressiver Muskelentspannung.
  • Verzichten Sie vier Stunden vor dem Zubettgehen auf Kaffee und schwarzen Tee.
  • Alkohol und Nikotin mindern die Schlafqualität.
  • Wenn es Ihnen morgens zu hell im Schlafzimmer ist, versuchen Sie es mit einer Schlafmaske